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(über Mt 5,17-37: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.)
"Unser Ja sei ein Ja, unser Nein ein Nein!"
so soll ein rechter Christenmensch sein,
das Evangelium heute uns lehren wollt' -
ob man da überhaupt predigen sollt'?
Eigentlich wissen wir das doch schon,
es fehlte uns höchstens die Jllustration:
Auch unser Herr Christus mußte wohl ahnen,
es reicht nicht, mit einem Gleichnis zu mahnen,
die Menschen, die im Grunde ganz willig,
doch leider vergeßlich - ist es nicht billig,
daß sie noch Genaueres hören wollen
von den Geboten, die sie befolgen sollen?
Es sind nicht sehr viele, auch recht allgemein,
und im Leben gar oftmals des Anstosses Stein,
wenn jemand meint, was er tue, sei recht,
wo andre ihn tadeln und sagen, 's sei schlecht!
Der Willkür sind offen Tor und Tür,
was kann denn so ein Mensch dafür?
Daß man ihm's etwas genauer erklärt,
dieses Verlangen ist gar nicht verkehrt.
So dachte auch Christus, und hat für die Welt
dem Gesetz die Erklärung noch beigesellt.
Im Altertum, nicht anders als heute,
stritten und zankten sich die Leute:
Auch bei den Juden, in Rom und Athen,
und was dann geschah, das war gar nicht schön.
Nicht bloß die Beleidigung mit einem Worte,
auch von andrer, handgreiflicher Sorte:
Aug' um Auge, Zahn um Zahn,
hieß das Motto von Jugend an!
"Du sollst nicht töten!", spricht das Gebot,
doch im Geist des Gesetzes liegt die Not:
Nicht nur nicht töten sollen wir Schwester und Bruder,
nein, nicht mal im Zorn sagen: Depp! oder: Luder!
Dem Gericht verfällt, wer den Bruder schmäht,
wer ihn beschimpft, gar im höllischen Feuer vergeht!
Drum, spricht unser Herr, zum Altare trete,
nur wer sich ganz frei weiß von jeder Fehde,
und fällt ihm noch ein an den Kirchenstiegen,
mit irgendjemand in Zwietracht zu liegen,
so kehr er erst um und versöhne sich wieder,
dann leg er das Opfer am Opferstein nieder.
Wenn wir überlegen, wie oft wohl auch wir
mit schwarzen Gedanken eintraten hier
in unsere Kirche, um Messe zu halten,
und grade noch zankten wir uns und schalten
den Mann und die Ehefrau, Mutter und Vater,
den Freund und Kollegen, vielleicht auch den Kater,
den Bruder, die Schwester, den Hund und die Katz
- ist da im Herzen für Andacht noch Platz?
Viel besser wär es, wenn wir uns besinnen
und ruhig werden im Herzen drinnen,
und Fried' und Versöhnung lassen hinein,
um ein Tempel für Christi Botschaft zu sein.
Es steht im Gesetz auch nicht nur geschrieben,
daß keinen wir töten - wir sollen auch lieben!
Und mit der Liebe stünd's schlecht im Leben,
wenn nicht mal wir Christen ein Beispiel gäben!
Zorn und Streitsucht sind starke Triebe,
doch vergessen wir auch nicht die Macht der Liebe!
Doch Vorsicht, das will ich genau definieren,
damit wir das Beste dabei nicht verlieren:
Was "Liebe" so alles genannt werden mag-
im Fernsehen sehen wir's ja jeden Tag:
Hat mit Liebe sehr oft gar nichts mehr zu tun,
da Drehbücher auf andern Prinzipien beruhn,
daran, zu lieben, wird selten gedacht,
weil jeder, was ihm grad so einfällt, auch macht.
Die Liebe kann heut schön wie ehemals sein -
bloß, was so genannt wird, das ist oft nur Schein!
Ihr Mißbrauch war schon in frühesten Zeiten
für ganze Völker ein Anlaß zum Streiten,
auch in der Bibel und in den Mythen,
von Römern, Griechen oder auch Skythen,
sind zahlreiche Fälle worden bekannt,
wo daraus gar noch ein Krieg entbrannt.
Doch solch ein Verhalten, wir wissen's, das ist
ja völlig unpassend für einen Christ!
Drum hören wir, ob's Fasnet heut oder nicht,
die Mahnung, die zu uns Christus spricht:
Verboten ist nicht nur der Ehebruch,
so steht es seit Moses im Heiligen Buch,
auch was dazu hinführen kann, unterbleibe
ein jeder freu sich am eigenen Weibe!
Noch ein weiteres Beispiel fügt Jesus an,
wie dem Geist des Gesetzes man folgen kann:
Der Mensch, der redet bei Tag und bei Nacht,
der Worte gar viele im Leben er macht.
So viele sind es, daß er gar nicht mehr spürt,
daß leer ist und nichtig, was im Munde er führt:
Seien es Liebesschwüre, die hundertmal
er (oder sie!) wiederholt, gegen jede Moral,
der schönen Wendungen hat so viel er,
wie Platten sind auf dem Plattenspieler!
Die Sprache der Mißverständnisse Quelle!
sagt ein Philosoph, und dünkt sich ganz helle.
Doch wenn wir bedenken, welche Kraft das Wort
besessen am Anfang der Schöpfung! denn dort
war das Wort es, das die Welt erschuf -
Gott selbst gebraucht es zu diesem Behuf!
Zu Anfang sprach Er sein grosses: "Es werde!"
Und alles ward: Wasser, Sonne, Mond, Erde,
Mensch, Pflanzen und Tiere, der Rhein und die Elbe -
denn bei Gott sind Sagen und Tun Eins und Dasselbe.
Der Mensch, seit er vom Baume gegessen
der Erkenntnis, da hat er vieles vergessen:
Das Wort hat sich von der Tat getrennt,
und heute gilt nichts, was man sagt oder nennt,
es könnt eine Floskel sein oder Lügen,
und damit sich selber und andere betrügen.
Den Wert verloren hat "ja" oder "nein",
denn jahrtausendelang war es - nicht mehr als Schein!
Schon Faust, der Gelehrte, achtet's gering,
die Tat allein scheint ihm ein glänzendes Ding.
Doch wenn wir bedenken, wie's endete dann?
Bedauern möcht man den armen Mann:
als er grad vermeinte, sein Werk zu vollenden,
Sein Grab gruben Lemuren mit eigenen Händen!
Nein, Sagen und Tun, das darf man nicht scheiden,
das Eine um's Andere soll man nicht meiden,
sondern das, was man sagt, soll man auch denken,
dann wird man dem Wort wieder Glauben schenken!
Nicht nur im Alltag und bei unsern Lieben,
auch in der Kirche wird dabei geblieben:
Unser Ja sei ein Ja, unser Nein ein Nein,
so können wir Christi Gemeinde sein!
Der Kreis der Bilder ist nun geschlossen,
vielleicht hat man heute besonders genossen,
daß die Predigt man einmal in Versen kriegt,
die sonst nur in trockener Prosa vorliegt!
Die Botschaft bleibt gleich, sie ist anspruchsvoll,
sie zeigt, wie man Christen erkennen soll:
Im Evangelium, das wir heute gehört,
werden wir unmißverständlich gelehrt:
Das Kennzeichen der wahren Christenheit -
soll immer sein: die Wahrhaftigkeit!
Das ist das Ideal für einen jeden,
der nicht nur leere Worte reden,
sondern auch tun will, was er sagt -
in diesem Sinne sei es gewagt,
alle Tag im Jahr, das wär das Best'
nicht nur heute am närrischen Fasnetsfest!
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