INHALT
Engel-Boom?
(Einleitung)
I. Das
Wesen der Engel
Philosophische
Reflexion
II. Das
Geheimnis der Engel in der Hl. Schrift
1. Engelsportraits
in der Hl. Schrift
2. Die
Aufgabe der Engel
a. Die Himmlischen Heerscharen
b. Die Hierarchien
c. Himmelsboten
d. Helfer der Menschen
3. Die
gefallenen Engel
4. Treibt
die Dämonen aus! (Mt 10,8)
III. Literaturempfehlungen
IV. Epilog: Brauchen
wir die Engel?
Engel-Boom?
Nicht nur in den Medien, auch auf dem Buchmarkt sind Engel heute sehr
gefragt. Dies ist nicht nur als esoterische Modeerscheinung, sondern vor
allem als Anfrage an die Theologie und die Kirche zu werten: Haben wir
ein Thema sträflich vernachlässigt, das nun andere aufgreifen?
Wo immer die Kirche ein ihr anvertrautes Glaubensgut, oder auch ein
sakramentales und liturgisches Handeln unter den Tisch fallen läßt,
finden sich andere, die es aufgreifen und es für sich zu vereinnahmen
versuchen. Der Engel-Boom und vieles andere im Esoterikbereich und im Bereich
der Sekten und neuen Religionen ist ein Mangelsyndrom. Für die Gewissenserforschung
der Kirche und Theologie in dieser Hinsicht wären gleich zwei Bibelstellen
geeignet: Das Gleichnis von den Talenten (Lk 19,11-27, in welchem Christus
den Knecht verwirft, der die ihm anvertrauten Talente nicht einsetzt, sondern
aus Ängstlichkeit versteckt), und das Gleichnis von dem Licht, das unter
den Scheffel gestellt wird (Mt 5,15).
In den sechziger und siebziger Jahren glaubte man alles Übernatürliche
aus dem Glauben ausblenden zu müssen, weil es dem "modernen Menschen"
nicht mehr zumutbar sei. Man vergaß dabei, daß der moderne
Mensch - wie der Mensch zu allen Zeiten - von Natur aus religiös ist,
eine Antenne für das Göttliche hat (nach Schleiermacher: "Sinn
und Geschmack fürs Unendliche") und nach dem Mysterium dürstet.
Eine auf eine Soziallehre verkürzte Religion ist überflüssig,
denn um sozial zu handeln, braucht man nicht Christ zu sein.
I. Das Wesen der
Engel
Im Credo sprechen wir: "Ich glaube an den einen Gott, den Vater,
den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare
und die unsichtbare Welt."
Die Schöpfung hat danach zwei Bereiche: die sichtbare materielle
Welt, und die himmlische, (für uns) unsichtbare Welt. Unsere alltägliche
Erfahrungswelt ist also noch lange nicht das Ganze. Es gibt "mehr zwischen
Himmel und Erde, als unsere Schulweisheit sich träumen läßt"
(Shakespeare), und der Mensch ist nicht das Ende der Schöpfung.
Das Vierte Laterankonzil (1215) hat genau definiert, was unter
dem Begriff "unsichtbare Welt", den wir im Credo verwenden, zu verstehen
ist:
"Wir glauben fest und bekennen ... daß Gott der eine Ursprung
aller Dinge ist, der Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren,
der geistigen und der körperlichen. Er hat in seiner allmächtigen
Kraft zugleich von Anfang der Zeit an beide Ordnungen der Schöpfung
aus dem Nichts geschaffen, die geistige und die körperliche, d.h.
die der Engel und die der irdischen Welt und dann die Menschen, die gewissermaßen
beide umfaßt, da sie aus Geist und Körper besteht. (Der Teufel)
nämlich und die anderen Dämonen wurden zwar ihrer Natur nach
von Gott als gut geschaffen, aber sie wurden durch sich selbst böse.
Der Mensch aber sündigte aufgrund der Eingebung des Teufels)." (DH
800)
Philosophische
Reflexion
Im Konzilstext wird unterschieden zwischen körperlicher Schöpfung
und geistiger Schöpfung und dem Menschen, der sowohl körperlich
als auch geistig ist. Das Schöpfungswerk gleicht einer Pyramide, die
stufenförmig aufgebaut ist. Ihre unterste Stufe bildet die rein materielle
Schöpfung, die unbelebte Materie; es folgt die belebte Schöpfung:
Tier- und Pflanzenwelt. Der Mensch steht "in der Mitte der Schöpfung"
(Albertus Magnus). Er gehört zur körperlichen Schöpfung,
weil er einen Leib hat und den Naturgesetzen unterliegt; er ist aber auch
ein geistiges Wesen, weil er Bewußtsein und freien Willen besitzt.
Nun ist es denkmöglich (und große Denker und Philosophen
wie Platon oder Heisenberg waren davon überzeugt, daß es sich
so verhält), daß es auch rein geistige Wesen gibt. Das heißt
Wesen, die wie der Mensch Bewußtsein und Freiheit besitzen, Personen
sind, aber nicht an Materie gebunden sind. So stellen wir uns - dies sei
in Parenthese gesagt - übrigens ja auch unsere eigene Existenz nach
dem Tod vor: als unabhängig von Raum und Zeit und Materie.
Die Engel sind somit - rein metaphysisch, seinsphilosophisch - zu definieren
als: außermenschliche Intelligenzen, oder: immaterielle
personale Wesen.
Der Unterschied von Mensch und Engel ähnelt somit dem von Mensch
und Tier, Mensch und untermenschlicher Schöpfung: Der Engel ist
dem Menschen weit überlegen. Dies zeigt sich auch darin, daß,
wenn sich in der Hl. Schrift Engel den Menschen nähern, ihr erstes
Wort an den Menschen immer lautet: "Fürchte dich nicht!" - Wahrhaft
furchterregend und fremd muß die Erscheinung des Engels für
den Menschen sein. Und doch sind sie auch verwandt, Mensch und Engel: Beide
sind Geschöpfe, wie es in einem Wort des hl. Thomas von Aquin
zum Ausdruck kommt:
"Gott ist nicht ein Teil des Alls, sondern er ist über dem ganzen
All; er besitzt, zuvor und auf überragende Weise, die ganze Vollkommenheit
des Alls in sich. Der Engel aber ist ein Teil des Alls." (ST I 63, 3 ad
2)
Engel und Menschen besitzen beide Vernunft und Freiheit, und das heißt:
die Befähigung zur Liebe. Sie sind beide zum Dienst Gottes berufen.
Wir wissen, daß die körperliche Schöpfung, die Natur,
unglaublich reich und vielfältig und bunt und voller Leben ist. Dasselbe
dürfen wir nun in noch viel höherem Maße von dem unsichtbaren
Universum annehmen; es muß faszinierend und reich und reich
bevölkert sein. Im Buch Daniel lesen wir:
"Ich sah: Ein Strom von Feuer (ging vom Thron Gottes aus): Tausendmal
Tausende dienten ihm, zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm." (Dan
7,9)
Hier sei ein weiteres Mal Thomas von Aquin zitiert:
"Der katholische Glaube hält fest, die Zahl der Geistwesen, welche
wir Engel nennen, sei für Gott eine begrenzte, für uns aber eine
unbegrenzte Zahl." (2d.3,1,3)
Bevor wir uns den biblischen Aussagen über die Engel zuwenden,
sei ein Zwischenergebnis festgehalten:
Der Glaube an eine unsichtbare Welt ist kein irrationales Ammenmärchen,
er läßt sich vernünftig begründen: Nicht nur die wichtigste
philosophische Schule, der objektive Idealismus (Platonismus), sondern
auch alle Hochreligionen der Menschheit lehren die Existenz der unsichtbaren
(göttlichen) Welt und die Existenz unsichtbarer, dem Menschen überlegener
personaler Wesen. Platon selbst spricht vom Reich der unvergänglichen
Wahrheit und Schönheit, von der unsere Werdewelt nur ein Schatten
ist. Eine wichtige Rolle spielt die Angelologie im Islam und auch im orthodoxen
Judentum.
II.
Das Geheimnis der Engel in der Hl. Schrift
Der Glaube ist nicht widervernünftig. Aber er ist übervernünftig.
Die Vernunft kann uns zwar sagen, daß es möglich und plausibel
ist, daß es außermenschliche Intelligenz gibt (solche Ahnungen
äußern sich auch in Phänomenen wie dem Ufoismus!), Genaueres
über die Beschaffenheit und die Bestimmung und auch die Absichten
solcher Wesen können wir aus uns selbst heraus aber nicht wissen.
Hier ist der Mensch auf die Offenbarung angewiesen, auf die Mitteilung
der Wahrheit durch Gott. Die göttliche Offenbarung ist uns in der
Hl. Schrift gegeben. In ihr finden wir auch die Wahrheit über die
Engel.
1.
Engelsportraits in der Hl. Schrift
Im Fortgang des Buches Daniel wird die Erscheinung eines Engels beschrieben:
"Ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, da stand ein Mann, der
hatte leinene Kleider an und einen goldenen Gürtel um seine Lenden.
Sein Leib war wie ein Türkis, sein Antlitz sah aus wie ein Blitz,
seine Augen wie feurige Fackeln, seine Arme und Füße wie helles,
glattes Kupfer, und seine Rede war wie ein großes Brausen. Aber ich,
Daniel, sah dies Gesicht allein, und die Männer, die bei mir waren,
sahen's nicht; doch fiel ein großer Schrecken auf sie, so daß
sie flohen und sich verkrochen. Ich blieb allein und sah dies große
Gesicht. Es blieb aber keine Kraft in mir; jede Farbe wich aus meinem Antlitz,
und ich hatte keine Kraft mehr. Und ich hörte seine Rede; und während
ich sie hörte, sank ich ohnmächtig auf mein Angesicht zur Erde.
Und siehe, eine Hand rührte mich an und half mir auf die Knie und
auf die Hände, und er sprach zu mir: Daniel, du von Gott Geliebter,
merk auf die Worte, die ich mit dir rede, und richte dich auf; denn ich
bin jetzt zu dir gesandt. Und als er dies mit mir redete, richtete ich
mich zitternd auf. Und er sprach zu mir: Fürchte dich nicht, Daniel."
(Dan 10, 5-12)
Für eine Verniedlichung und Verharmlosung der Engel
besteht nach der Beschreibung Daniels keinerlei Veranlassung oder Berechtigung.
Wenn auch die Erscheinung der Engel - je nach ihrer Ordnung - unterschiedlich
ausfällt, sind Engel nicht die lieblichen, prallen Puttenbabies der
Barockkirchen. Selbst unseren Schutzengel, den sich manche vielleicht mit
einer sanften, fürsorglichen, mädchenhaften Ausstrahlung vorstellen,
denken wir uns doch immer auch - groß!
Die Engel, die uns in der Bibel begegnen, sind voller Hoheit und
Größe und Geheimnis. Deutlich wird dies besonders im letzten
Buch der Schrift, der Apokalypse, die voller Engelsvisionen ist.
Dort erscheinen die Engel als "Blitze" und "laute Donnerschläge" (Offb
4,5), als Wesen mit je sechs Flügeln, ringsum und innen besät
mit Augen (Offb 6,8), das bedeutet: Sie haben an der allsehenden Kraft
Gottes teil. Ein machtvolles Engelsportrait ist das folgende:
"Und ich sah einen andern starken Engel vom Himmel herabkommen, mit
einer Wolke bekleidet, und der Regenbogen auf seinem Haupt und sein Antlitz
wie die Sonne und seine Füße wie Feuersäulen. Und er hatte
in seiner Hand ein Büchlein, das war aufgetan. Und er setzte seinen
rechten Fuß auf das Meer und den linken auf die Erde, und er schrie
mit großer Stimme, wie ein Löwe brüllt. Und als er schrie,
erhoben die sieben Donner ihre Stimme. (Offb 10, 1-3)"
Licht, strahlendes Licht, und Feuer scheint zur Engelserscheinung fast
immer zu gehören; weil sie zu einem Reich des Lichts gehören
und zu Gott, der "ein verzehrendes Feuer ist" (Hebr. 12,29). Auf jeden
Fall wird dies deutlich: Der Engel ist nicht von unserer Natur. Wir sind
Sterbliche, Erdlinge. Der Engel ist ganz anders. Rainer Maria Rilke
in den Duineser Elegien faßt es in Worte:
Ein jeder Engel ist schrecklich.
2. Die Aufgabe
der Engel
a) Die
himmlischen Heerscharen
Ein häufiger Name Gottes im AT ist "Herr der Heerscharen" (Jahwe
Zebaoth). Gott ist der, dem die himmlischen Heerscharen in
vollkommener Hingabe und Verehrung dienen, vgl. Ps 103:
"Der Herr hat seinen Thron im Himmel errichtet, sein Reich herrscht
über das All.. Lobt den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden,
die seine Befehle vollstrecken, seinen Worten gehorsam. Lobt den Herrn
all seine Scharen, seine Diener, die seinen Willen vollziehen."
Der Dienst der Engel, der "starken Helden", besteht in einem Zweifachen:
im Lobe Gottes und im Vollstrecken der Befehle Gottes.
Kosmische Liturgie
Nach wiederholter Aussage der Schrift dienen Engel Gott in einer Art
von himmlischem Gottesdienst, einer kosmischen Liturgie. Unser irdischen
Gottesdienst ist nur ein schwacher Abglanz dessen, was in der unsichtbaren
Welt unablässig zur Verherrlichung der göttlichen Majestät
geschieht.
Daran werden wir auch in jeder Meßfeier erinnert: Kurz vor dem
Höhepunkt der Eucharistie, der Wandlung, stimmen wir ein in das Dreimal
Heilig, das Trishagion der Engel, von dem der Prophet Jesaja in einer Vision
berichtet:
"In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen
auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel.
Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: mit zweien
deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und
mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig,
heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Und die
Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus ward voll Rauch."
(Jes 6, 1-4)
Eine ähnliche Schau hat der Seher Johannes, der die Apokalypse
schrieb:
"Und als das Lamm das siebente Siegel auftat, entstand eine Stille im
Himmel etwa eine halbe Stunde lang. Und ich sah die sieben Engel, die vor
Gott stehen, und ihnen wurden sieben Posaunen gegeben. Und ein anderer
Engel kam und trat an den Altar und hatte ein goldenes Räuchergefäß;
und ihm wurde viel Räucherwerk gegeben, daß er es darbringe
mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Thron. Und
der Rauch des Räucherwerks stieg mit den Gebeten der Heiligen von
der Hand des Engels hinauf vor Gott." (Offb 8, 1-4)
Die Engel sind also zuerst die kosmischen Liturgen, die Altardiener
vor dem himmlischen Thron und vor dem ewigen Hohenpriester Jesus Christus.
Gleichzeitig stellen sie eine Verbindung zwischen dieser kosmischen Verherrlichung
Gottes und dem irdischen Gebet der Kirche her: sie bringen die Gebete der
Heiligen (i.e. der Gläubigen) vor Gott.
Daraus zieht die klassische Theologie den Schluß, daß beim
liturgischen Handeln der Kirche immer auch Engel anwesend sind,
die eine Brücke zum Himmel schlagen, vgl. Johannes Chrysostomus:
"Zu dieser Zeit [scil. der Messe] umringen selbst Engel den Priester;
das ganze Heiligtum und der Raum um den Altar ist angefüllt mit himmlischen
Heerscharen, dem zu Ehren, der auf dem Altare liegt." (sermo de resurrectione
3)
Der hl. Ambrosius mahnt:
"O daß auch uns bei Beräucherung des Altares, bei der Darbringung
des Opfers der Engel zur Seite stünde, ja sichtbar erschiene! Denn
zweifle nicht an der Gegenwart des Engels, wenn Christus zugegen ist, Christus
geopfert wird." (Expos.Ev.Lc.I,12)
Engel sind also Mitträger unserer Liturgie. Nach Origenes (De Orat.
31,5f.) gibt es beim Gottesdienst eine doppelte Gemeinde: die der Menschen
und die der Engel. So ist es auch erklärbar, warum in der Ikonographie
Engel in liturgischen Gewändern dargestellt werden.
Auch in den Worten des Römischen Meßkanons kommt diese Vorstellung
zum Ausdruck, wenn es heißt: "Wir bitten dich, allmächtiger
Gott: Dein Heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen
Altar, vir deine göttliche Herrlichkeit." Die Messe ist also weit
mehr als bloß eine Gemeindeversammlung oder ein schönes Gemeinschaftserlebnis.
Sie hat eine kosmische Tiefendimension. Es gilt das Wort aus dem Hebräerbrief:
"Ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes,
dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln, und zu der Versammlung
und Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind, und zu Gott, dem
Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem
Mittler des neuen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das mächtiger
ruft als das Blut Abels." (Hebr 12, 22-24)
b) Die Hierarchien
Aus den Visionen des Jesaja und des Johannes und den anderen Stellen
ergibt sich folgendes Bild: Es gibt verschiedene Dienste und Ordnungen
unter den Engeln, solche, die ganz nahe, direkt bei Gott stehen: die Seraphim
("die Brennenden") und solche, die das Rauchopfer darbringen (die sieben
Erzengel), und noch andere. Die Bezeichnungen unterscheiden sich: Seraphim,
Cherubim. Es gibt solche Engel, die anderen Anordnungen geben, folglich
gibt es Rangunterschiede (so heißt Michael in Dan 10,13: "einer
unter den ersten der Engelfürsten"; in Judas 9: "Erzengel"). Bei Paulus
findet sich in Eph 1,21 und Kol 1,16 ein ganzer Engelkatalog: "Fürsten
und Gewalten, Mächte und Herrschaften und Throne".
Analog zur sichbaren Schöpfung gibt es also auch in der unsichtbaren
Welt eine differenzierende Ordnung und eine hierarchische Gliederung. In
der theologischen Tradition gliedert man die Engel in
9 Chöre, die in
3 dreigliedrige (triadische) Hierarchien (Rangstufen)
aufgeteilt sind:
Oberste Hierarchie: Seraphim - Cherubim - Throne Mittlere Hierarchie:
Herrschaften - Kräfte - Mächte Untere Hierarchie: Fürstentümer
- Erzengel - Engel
In der Präfation der Messe wird dieser Hierarchien ausdrücklich
gedacht:
"Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln, den Thronen und Mächten,
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres den Hochgesang von deiner
göttlichen Herrlichkeit..."
In der Tradition geht (im Anschluß an Dionysius Areopagita und
Thomas von Aquin) die Mehrheit der Lehrer davon aus, daß besonders
die letzte Hierarchie, die Chöre der Fürstentümer, Erzengel
und Engel dem irdischen Bereich, d.h. dem Dienst an den Menschen zugeteilt
ist. Die Fürstentümer seien für das Wohl der Staaten und
Völker zuständig (das Buch Daniel erwähnt die Engelfürsten
der Perser und Griechen!); die Erzengel für das Wohl der Kirche und
des Glaubens, zugeordnet besonders den kirchlichen Führungspersonen
(im Buch Daniel ist Michael der Fürst des Gottesvolkes); die Engel
schließlich sind dem einzelnen Menschen in seinen persönlichen
Angelegenheiten als Schutzengel zugeordnet. Hohe kirchliche Würdenträger,
in denen sich mehrere dieser Kategorien überschneiden, können
demgemäß auch von mehreren Engeln "betreut" werden.
c) Himmelsboten
Die Hierarchien der Engel sind primär auf Gott ausgerichtet. Sie
sind Gestalten der Anbetung und Verherrlichung des dreifaltigen Schöpfers.
Sie sind auch Spiegel und Repräsentanten der göttlichen Herrlichkeit.
Im Prisma der himmlischen Heerscharen bricht sich das göttliche Urlicht
in sein ganzes Farbenspektrum auf - man denke nur an das Engelskonzert,
das das auf dem Isenheimer Altar dargestellt ist!
Als Diener Gottes und der göttlichen Vorsehung sind die Engel auch
auf den irdischen Plan und besonders den Menschen, und darunter wiederum
besonders auf das Gottesvolk, hingeordnet.
Das Wort "Engel" kommt bekanntlich von dem griechischen Wort
"angelos", zu Deutsch: Bote. Auf uns Menschen bezogen sind
die Engel: Himmelsboten. Aufgabe des Engels ist es, die Verbindung
zwischen Himmel und Erde aufrechtzuerhalten, dafür zu sorgen, daß
die Welt nicht herausfällt aus ihrer Umlaufbahn um die göttliche
Sonne und abstürzt ins bodenlose Nichts.
So hat der Patriarch Jakob die Engel in seinem berühmten Traum
geschaut (Gen 28): Er sah eine Leiter, die von der Erde bis in den Himmel
reichte, auf der die Engel Gottes auf- und niederstiegen. - Die Engel steigen
vom Himmel herab, um den Menschen Kunde von Gott zu bringen. Und sie steigen
von uns zu Gott auf, um von uns gleichsam "zu berichten", um unsere Gebete
und Anliegen zu unterstützen, ja zuletzt: um unsere Seele in den Himmel
zu geleiten, wie wir es in der Totenliturgie beten: Zum Paradies mögen
Engel dich geleiten... " (So stellt es übrigens auch Jesus dar im
Gleichnis vom armen Lazarus (Lk 16,19-30), der von den Engeln in Abrahams
Schoß getragen wird.)
Die Engel und ihre Botschaften begleiten die ganze Heilsgeschichte des
Alten und des Neuen Bundes: Im NT ist es die Botschaft des Erzengels Gabriel,
die die Menschwerdung Gottes eröffnet und dieses Geheimnis auch zum
ersten Mal ausspricht: "Du wirst einen Sohn gebären. Dem sollst du
den Namen Jesus geben. Er wird Sohn des Allerhöchsten genannt werden..."
(Lk 1,31f.). Ein Engel ist auch der Erste, der die Botschaft von der Auferstehung
verkündet, als er zu den trauernden Frauen am Grab sagt: "Was sucht
ihr den Lebenden bei den Toten?" (Lk 24,5)
Jesus spricht selbst oft von den Engeln: Wenn er sagt, daß bei
den Engeln im Himmel Freude über jeden Sünder herrschae, der
sich bekehrt (Lk 15, 10), oder in dem Wort während der Nacht am Ölberg,
bei seiner Gefangennahme: "Glaubst du nicht, mein Vater würde mir
sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schicken, wenn ich ihn darum
bitte?" (Mt 26, 53)
Mit diesem Bekenntnis zu den Engeln war der Herr keineswegs bloß
"Kind seiner Zeit". Schon damals gab es die Position des Materialismus,
der eine unsichtbare Welt leugnet. Diese Position nahm (Apg 23,8) unter
den Juden die Partei der Sadduzäer ein, die bekanntlich auch die Auferstehung
von den Toten leugneten.
Jesus hätte sich dieser Position anschließen können.
Umso größeres Gewicht hat die Tatsache, daß er es nicht
tut, ja die Sadduzäer mit harten Worten geißelt: "Ihr irrt euch;
ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes." Und er bekennt sich
in einem Atemzug zu den beiden Dingen, die von den Sadduzäern geleugnet
werden:
"Nach der Auferstehung werden die Menschen nicht mehr heiraten, sondern
sein wie die Engel im Himmel." (Mt 22, 29f.)
d) Helfer der
Menschen
Gott bedient sich bei seiner Weltregierung, bei seiner Vorsehung und
Fürsorge für jeden einzelnen Menschen geschöpflicher
Mithilfe.
Das ist im natürlichen Bereich der Fall: Wir sagen, Gott
ist der Schöpfer jedes einzelnen Menschen, aber Gott ruft den Menschen
nicht ins Leben ohne Beteiligung der Eltern dieses Menschen. Theoretisch
könnte Gott in seiner Allmacht alles allein tun und bewirken - aber
er läßt die Geschöpfe an seinem Heilswerk teilhaben.
Auch in der übernatürlichen Ordnung gibt es ein
System der Vermittlungen. Aus diesem Grund existiert die Kirche:
Hier wird die übernatürliche Gnade durch das sakramentale Handeln
von Menschen vermittelt.
In diesem System der Vermittlungen haben auch die Engel ihren Platz.
So heißt es im Hebräerbrief:
"Sie sind alle dienende Geister, ausgesandt um deretwillen, die das
Heil erben sollen." (Hebr 1,14)
Hier ist etwas äußest Bemerkenswertes gesagt: Die Engel,
die von ihren natürlichen Befähigungen uns Menschen weit überlegen
sind, sind bestimmt, den Menschen zu dienen. Sie sollen uns helfen auf
unserem Weg zum Heil, d.h.: auf unserem Weg zu Gott und zum Ewigen Leben.
Hier ist auch die tröstliche Stelle im 91. Psalm zu bedenken, in der
es um die liebende Fürsorge Gottes für seine Gläubigen geht:
"Wer im Schutz des Höchsten wohnt, und ruht im Schatten des Allmächtigen;
der spricht zum Herrn: "Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott,
dem ich vertraue."
Und dann wird konkretisiert, auf welche Weise Gott für den Gläubigen
sorgt und ihn vor allem Unheil beschützt ("vor der Pest, die im Finstern
schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag"):
"Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen
Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, daß dein Fuß
nicht an einen Stein stößt."
Die Engel, die gesandt sind, um den Menschen zu behüten, zu begleiten
und zu unterstützen, nennt die Kirche: Schutzengel.
Eine Schriftstelle, auf die sich diese Lehre stützt, ist das Wort
Jesu über die Kinder: "Ihre Engel im Himmel schauen allezeit
das Antlitz meines himmlischen Vaters" (Mt 19,15), oder auch die Stelle
in Apg 12,13, wo von einem Engel des Petrus die Rede ist. Ein besonders
anschauliches Beispiel gibt das Buch Tobit, das die Begleitung und
Führung des jungen Tobias durch den Erzengel Raphael schildert.
Nach der allgemeinen Auffassung der Kirchenlehrer hat nicht bloß
jeder getaufte, sondern jeder Mensch von Anbeginn seines Lebens an seinen
besonderen Schutzengel. Ein Beispiel für die wirkliche Katholizität,
die Weite und Menschenfreundlichkeit des katholischen Glaubens und für
die Würde der menschlichen Seele:
"Wie groß ist die Würde der Seelen, daß eine jede von
Geburt an zu ihrem Schutz einen Engel zugewiesen hat", sagt der hl. Hieronymus
(In Mt III zu 18,10).
Der hl. Thomas von Aquin geht noch weiter. Der Dienst der Schutzengel
beginnt nicht erst bei der Geburt, sondern schon bei der Empfängnis
im Mutterleib:
"Die Kinder im Mutterschoß empfangen nicht die Sakramente der
Kirche, weil sie nicht dem Wirken der Amtsträger unterstellt sind:
sie sind vielmehr dem Wirken Gottes und der Engel unterstellt."
(2 d II 2, 3 ad 3)
In der Kunst, besonders seit dem 19. Jh., hat der Schutzengel oft eine
mädchenhafte Gestalt. Die Frage drängt sich auf, ob Engeln überhaupt
ein Geschlecht eigen ist (hierüber hat Swedenborg viel nachgedacht).
Primitiver Anthropomorphismus ist etwas, vor dem man sich in diesem Zusammenhang
nicht genug hüten kann - wir dürfen nicht unsere menschliche
Geschlechtlichkeit in die geistige Welt hineinprojizieren. Vorstellbar
ist vielmehr das Umgekehrte: daß unsere Geschlechterpolarität
Abbild und Gleichnis einer viel subtileren und zugleich noch faszinierenderen
Polarität in der unsichtbaren Welt ist.
So darf man den weiblichen Typus des Schutzengels in der Kunst
als Darstellung seines mütterlichen Dienstes verstehen. Es
gibt andere Engel, die mehr die väterliche oder die brüderliche
Liebe Gottes, auch die göttliche Gerechtigkeit und Allmacht repräsentieren
- und die deshalb - wie Michael - als gewappnete Krieger in Erscheinung
treten.
Man kann sich fragen: Was bindet die Engel jeweils an einen bestimmten
Menschen? Nur ein Auftrag Gottes, der sie dazu sendet? Oder eine tiefere
innere Gemeinschaft? Könnte der Schutzengel nicht so etwas wie unser
himmlischer Zwillingsbruder sein? So fragt Alois Winklhofer mit Berufung
auf Claudel:
"Vielleicht ist es so, daß nicht bloß jeder Mensch einen,
sondern seinen Schutzengel hat, der ihm ganz persönlich und individuell
zugeordnet ist; vielleicht auf Grund einer geheimen Verwandtschaft, die
gerade zwischen ihm und jenem Engel besteht. Wäre es nicht denkbar,
anzunehmen, daß jeder Mensch irgendwie nach dem Bild eines Engels,
dessen, der ihm dann zu seinem Schutze beigegeben wird, geschaffen ist?"
(A. Winklhofer, Die Welt der Engel, 87f.)
Hier ist Raum für Intuition - Raum auch für die Botschaft
der Träume... Bedenkenswert sind die beiden folgenden Zitate:
"Nicht jeder, der von einem Engel erleuchtet wird, erkennt, daß
er von einem Engel erleuchtet wird." (Thomas ST I 111, I ad 3). Manche
Erleuchtungen gehen also möglicherweise, ohne daß wir es ahnen,
auf unseren Schutzengel zurück.
Von Jeanne d'Arc, die, wie wir wissen, ihre eigene Sendung, gegen den
"großen Jammer" Frankreichs zu kämpfen, auf den "Monsieur Saint
Michel" zurückführte, wird das Wort überliefert: "Die Engel
kommen oft zu den Christenmenschen, man sieht sie nur nicht. Ich selber
habe sie oft bei ihnen gesehen."
3. Die gefallenen
Engel
"Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht
umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen
kann."
- so mahnt der 1. Petrusbrief (5,8). Hier ist ganz selbstverständlich
vom Teufel als dem Widersacher die Rede. Davon hört man heutzutage
wenig.
Baudelaire sagte einmal, die größte List des Satans sei es,
die Menschen glauben zu machen, es gebe ihn gar nicht. - Der Teufel, unser
Widersacher, bleibt gern anonym, unerkannt. Er wirkt am liebsten durch
das nicht Faßbare, nicht Greifbare: die "Atmosphäre", den Zeitgeist,
das Gerücht, die Masse... Er ist der anonyme, antlitzlose Geist des
Bösen.
Christus aber hat den Bösen unmißverständlich beim Namen
genannt: "Hebe dich hinweg, Satan!" (Hypage, Satana!" - Dies war der erste
Exorzismus der Geschichte (Mt 4,10). Christus sagt auch klar, was das
Wesen des Satans ist: Er ist "der Vater der Lüge" (Joh 8,44) und der
"Menschenmörder von Anbeginn" (ibid.). Er ist auch der "Fürst
dieser Welt" (Joh 12,31). Der 1. Johannesbrief (3,8) sagt, "der Sohn Gottes
sei erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören". Hier wird
also die ganze Sendung Christi als Kampf gegen den Fürsten dieser
Welt verstanden (äußeres Zeichen für diesen Kampf sind
die zahlreichen Dämonenaustreibungen).
Satan und die Dämonen sind gefallene Engel. So das klare
Zeugnis der Schrift:
"Und die Engel, die ihre Herrscherwürde nicht bewahrten, sondern
ihre Wohnstätte preisgaben, hält er für das Gericht des
großen Tages mit ewigen Banden in der Finsternis verwahrt." (Jud
6)
Eine Vision vom Engelssturz ist uns in der Apokalypse gegeben:
"Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften
gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel,
und sie siegten nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im
Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte
Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt
verführt, und er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden
mit ihm dahin geworfen." (Offb 12,7-8)
Warum der Satan und seine Anhänger ihren Platz im Himmel preisgaben
und von Gott abfielen, ist rätselhaft. Der hl. Thomas meint:
"Durch die Betrachtung der eigenen Schönheit ist der Engel in die
Sünde gestürzt." (2 d I,3) "Die erste Sünde der Engel kann
nichts anderes sein denn Hochmut; aber danach konnte in ihnen auch Neid
sein" (ST I, 63,2)
Mit anderen Worten: Der Satan, der gewiß zu den hohen Hierarchien
gehört hatte, war sich zu gut, um zu dienen, vgl. Jer 2,20: "Ich will
nicht dienen". - Vielleicht wollte er selbst wie Gott sein (derselbe
Wunsch, mit dem er später Adam und Eva lockte: "Ihr werdet sein wie
Gott..."). Vielleicht aber wollte er auch nur nicht dem Menschen
dienen? Die Engel waren ja, wie bereits gesehen, dazu bestimmt, dienende
Geister zu sein für diejenigen, die das Heil erben sollen. Vielleicht
war sich der Satan, dieser hohe Geist, zu gut dafür - er will herrschen,
nicht dienen. Auch Christus, dem Gottmenschen, wollte er nicht dienen.
Er wollte vielmehr das Umgekehrte:
"Das alles, alle Reiche dieser Welt, will ich dir geben, wenn du dich
vor mir niederwirfst und mich anbetest." (Mt 4,9)
Vieles spricht dafür, daß sich der Haß der gefallenen
Engel nicht nur gegen Gott richtet - denn vor seiner Majestät müssen
sie erzittern! ("Du glaubst an Gott? Das glauben auch die Dämonenn
und sie zittern dabei." Jak 2,19) -, sondern auch und gerade gegen Jesus
Christus, den Menschensohn und gegen das ganze Menschengeschlecht. Vielleicht
ist dieser Haß deshalb besonders groß, weil die Menschen dazu
berufen sind, die Plätze im Himmel einzunehmen, die die gefallenen
Engel verloren haben...
In welcher Weise wirken nun Satan und die Dämonen? - Sie versuchen,
den ganzen Erdkreis "zum Abfall von Gott zu verführen" (Offb 12,9),
sei es durch Lügen (Satan ist der "Versucher"), oder durch Nachstellungen
(man denke an Hiob!); sie versuchen, den Menschen und die Würde des
Menschen zu zerstören ("Menschenmörder", Ignatius von Loyola
nennt den Satan den "Feind der menschlichen Natur"). Wo immer der Mensch
und die Würde des Menschen mit Füßen getreten wird, triumphiert
das Böse. Die diabolische Gesellschaft ist die vollkommen entmenschlichte
Gesellschaft, die dabei noch die Maske des Humanismus trägt.
4.
Treibt die Dämonen aus! (Mt 10,8)
Mit dieser Vollmacht ausgestattet, sendet Jesus seine Jünger aus.
Christus hat den Fürst dieser Welt besiegt. Er hat keine Macht
mehr über Christus und alle, die zu ihm gehören. Vielmehr haben
nun die Christen die Vollmacht, das Böse auszutreiben und zu überwinden:
"Leistet dem Teufel Widerstand, dann wird er vor euch fliehen!" (Jak
4,8)
Durch die Sakramente der Kirche, besonders die Hl. Messe ist die Macht
der Dämonen gebunden. Vor dem Kreuzzeichen fliehen die finsteren
Mächte. Jeder Gläubige kann die "Waffenrüstung Gottes"
anlegen:
"Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern
mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt,
die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem
Himmel. Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem
bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld
behalten könnt. So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit
Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, und an den Beinen
gestiefelt, bereit, einzutreten für das Evangelium des Friedens. Vor
allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen
könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des
Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Betet allezeit
mit Bitten und Flehen im Geist." (Eph 6, 12-17)
Die Waffen des Christen sind ein "gerechtes und lauteres Leben" inmitten
einer "verdorbenen Generation" (Phil 2,15), der feste und gesunde Glaube,
das Wort Gottes und das Gebet.
Vergessen wir auch unsere Mitstreiter, die heiligen Engel nicht:
"Ein Engel, der zu nichts gebraucht wird, ist eine Tragödie
in der geistigen Welt!"
(Valentin Tomberg)
Wir müssen die Hilfe, die uns aus der Welt der Engel zugedacht
ist, auch ergreifen. Wir sollen unsere Engel, vor allem an unseren Schutzengel
denken, wenn wir vor Problemen stehen, Fragen zu lösen, Aufgaben zu
erfüllen, Pläne zu fassen, Sorgen und ƒngste zu beschwichtigen
haben, wenn wir uns bedrängt und angefochten fühlen. Die unsichtbare
Hand ist immer ausgestreckt! Vielleicht machen wir dann auch die Erfahrung,
die Dietrich Bonhoeffer in der Sylvesternacht 1944 im Gestapokeller in
die Worte gefaßt hat:
"Von Guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet
wunderbar... Von Guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost,
was kommen mag, Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiß
an jedem neuen Tag."
III. Literaturempfehlungen
Laurentin, René : Der Teufel. Mythos oder Realität? Hauteville/Schweiz: Parvis-Verl., 1996.
Papst Johannes Paul II.: Die Engel. Sechs Papst-Katechesen, Stein am Rhein: Christianaverlag, 1988.
Rosenberg, Alfons: Engel und Dämonen. München: Kösel, 1986.
Wolff, Uwe: Das große Buch der Engel. Freiburg im Breisgau; Basel ; Wien: Herder, 1995.
Wolff, Uwe: Der gefallene Engel. Freiburg im Breisgau ; Basel; Wien: Herder, 1995.
Bernet, Anne: Die Engel - unsere himmlischen Helfer,
Parvis-Verlag Hauteville 1998. (Die beste zur Zeit erhältliche
Darstellung der katholischen Engellehre.)
Im Augenblick nur über Bibliotheken erhältlich sind die beiden
ausgezeichneten dogmatischen Abhandlungen:
Winklhofer, Alois: Die Welt der Engel. Ettal: Buch-Kunstverlag,
1961.
Winklhofer, Alois: Traktat über den Teufel. Frankfurt am
Main: Knecht, 1961
IV. Epilog
Brauchen wir die Engel? - Eine bornierte Frage. Wir wollen es besser
wissen als der Schöpfer... Genauso könnte man fragen: Brauchen
wir dieses unermeßlich große Weltall? Hätten es ein paar
Milliarden Galaxien weniger nicht auch getan? Gott hat es gefallen, seine
Größe und Schönheit zu offenbaren durch die Majestät
des Weltalls ebenso wie durch die geheimnisvolle Welt der Engel.
Aus dem " Leben der Heiligen Theresia von Jesu", 19. Hauptstück, 15. Abschnitt (die "Gnade des Pfeils")
>Es gefiel dem Herrn, mich ...einigemal mit folgender Vision zu begnadigen: Ich sah neben mir, gegen meine linke Seite zu , einen Engel in leiblicher Gestalt. In dieser Weise sehe ich sie wunderselten. Obgleich mir oft Engel erscheinen, so geschieht dies doch gewöhnlich, ohne daß ich sie sehe... Hier aber wollte der Herr, daß ich den Engel in leiblicher Gestalt sehen sollte.
Er war nicht groß, sondern klein und sehr schön. Sein Angesicht war so entflammt, daß er mir als einer der erhabensten Engel vorkam, die ganz in Flammen zu stehen scheinen. Es müssen dies jene sein, die man Cherubim nennt. Sie sagen mir ihre Namen nicht; aber ich sehe gut, daß im Himmel zwischen den einen und den andern Engeln ein unaussprechlicher Unterschied ist. In den Händen des mir erschienenen Engels sah ich einen langen goldenen Wurfpfeil, und an der Spitze des Eisens schien mir ein wenig Feuer zu sein. Es kam mir vor, als durchbohre er mit dem Pfeile einigemal mein Herz bis aufs Innerste, und wenn er ihn wieder herauszog, war es mir, als zöge er diesen innersten Herzteil mit heraus. Als er mich verließ, war ich ganz entzündet von feuriger Liebe zu Gott. Der Schmerz dieser Verwundung war so groß, daß er mir Klageseufzer auspreßte...Es ist dies kein körperlicher, sondern ein geistiger Schmerz, wiewohl auch der Leib, und zwar nicht im geringen Maße, an ihm teilnimmt. Der Liebesverkehr, der nunmehr zwischen der Seele und Gott stattfindet, ist so süß, daß ich zur Güte des herrn flehe, er wolle ihn dem zu kosten geben, der etwa meint, ich lüge hierin<.
(Anmerkung: An dem unverwesten Herzen der heiligen Theresia, das im Kloster der unbeschuhten Karmelitinnen zu Alba de Tormes in einem kostbaren Reliquiar aufbewahrt wird, sind die Zeichen der durch den Engel bewirkten Verwundung zu schauen. Man sieht an diesem Herzen eine große Wunde, die wenigstens fünf Zentimeter lang und sehr tief ist und an den Rändern mehrere Brandmale erkennen läßt. Der Orden der unbeschuhten Karmeliten feiert die Durchbohrung des Herzens seiner Reformatorin durch ein eigenes Fest , "Die Gnade des Pfeiles" genannt.)