Schwarzwälder Bote
8. November 2007
Einheit im Glauben wiederhergestellt
Pfarrer Dr. Johannes Holdt seit zehn Jahren im Amt / Wogen in
Kirchengemeinde und Pfarrverband geglättet
Von Bernd Visel
Schömberg. »Das Evangelium ist der alleinige Maßstab«: Unter diese Prämisse
stellt der Schömberger Pfarrer Dr. Johannes Holdt seine seelsorgerische
Arbeit seit nun schon zehn Jahren in der Schlichemtalstadt.
»Viele haben mir bei meinem Amtsantritt prophezeit, dass ich nicht lange bleiben werde«,
erinnert der Seelsorger
an die damaligen Querelen. Seine
beiden Vorgänger haben jeweils nach kurzer Zeit »das Handtuch geworfen«
angesichts der Streitigkeiten innerhalb der katholischen Kirchengemeinde.
Holdt, der vom damaligen Bischof Walter Kasper gebeten wurde, die vakante
Stelle in Schömberg zu übernehmen, hat in den vergangenen Jahren die Wogen
geglättet und sein Ziel erreicht, »die Einheit im Glauben« innerhalb der
Gemeinde wieder herzustellen.
Es sei ein ordentliches Stück Arbeit gewesen, das einen langen Atem und viel
Geduld gebraucht habe, blickt er zurück und gleichzeitig nach vorne. Der
„Faktor Zeit“ sei wichtig in der Seelsorge: „Dinge müssen wachsen und sich
festigen, auf die Schnelle geht gar nichts“, stellt er fest.
Nach zehn Jahren sei er mit seinen drei
Gemeinden vertraut (außer Schömberg noch Schörzingen und Zimmern unter der
Burg) und habe
»seine Schäfchen kennengelernt und sie mich«. Daher denkt der Theologe momentan
auch
nicht daran, die Stelle zu wechseln.
Was ihn besonders freut, ist die gute Zusammenarbeit in dem
insgesamt 3350 Gemeindemitglieder zählenden Pfarrverband der drei
Gemeinden.
Angesichts des Pfarrermangels in der katholischen Kirche sei aber auch hier
die Entwicklung noch nicht zu Ende, die man im Dekanat Balingen noch
schmerzhaft werde zu spüren bekommen.
Laut Holdt, der in Tübingen und München
Theologie und
Philosophie studierte und 1996 promovierte, ist vorgesehen, dass innerhalb der
“Seelsorgeeinheit Oberes Schlichemtal“ künftig nur noch zwei Pfarrer für
neun Gemeinden tätig sein sollen. Heute sind mit Holdt, Adam Ferenc in
Ratshausen sowie Sebastian Mukoma in Dotternhausen drei Pfarrer im Amt.
Daher gilt es für Holdt, innerhalb der
Kirchengemeinden noch besser zu kooperieren:
»Wir müssen über den eigenen
Kirchturm hinausschauen, uns auch mit den Katholiken der anderen Gemeinden
verbunden fühlen.« In diesem Zusammenhang freut es den
Seelsorger,
dass mit dem langjährigen Schömberger Mesner Oliver Pfaff am Pfingstsamstag 2008 ein Diakon geweiht
wird, der in der Seelsorgeeinheit tätig sein wird.
Wichtig war und ist Holdt die Liturgie, die festliche und würdige Feier der
Gottesdienste »als Mitte des Gemeindelebens«. Zudem liegt ihm die
Glaubensverkündung am Herzen. Keine Frage daher, dass er die Firm- und
Kommunionkatechese sowie die Erwachsenenbildung für sehr wichtig erachtet in
einer weitgehend säkularisierten Welt.
Auch in dieser Hinsicht kann Holdt einige Erfolge innerhalb seiner drei
Gemeinden vorweisen. Rund 90 Ministranten
verrichten hier ihren Dienst
zudem werden mit der rund 30 Mitglieder starken „Benedikt-Jugend“ neue Wege in
der Glaubensvermittlung beschritten.
Apropos Benedikt: Johannes Holdt kennt Papst Benedikt XVI. persönlich und
ist natürlich stolz darauf, dass seine Dissertation mit dem Titel »Hugo
Rahner - sein geschichts- und symboltheologisches Denken« in zwei
Büchern von Joseph Ratzinger zitiert wird. Dass mit Ratzinger ein Deutscher
Papst geworden sei, »beflügelt die Arbeit vor Ort«.
Für Holdt ist »der Glaube auch heute höchst aktuell und gibt Antworten auf
alle Fragen.« Als Beispiele nennt er die Themen
Gentechnik, Schutz des
Lebens und der Familie, Rechte der Arbeitnehmer und Schutz des Sonntags.
Daher
mag sich der Schömberger Pfarrer auch nicht einordnen lassen als konservativ
oder
progressiv. Darauf komme es nicht an, sondern darauf, vom Glauben überzeugt
zu sein.
Gewachsene Traditionen seien pfleglich
zu behandeln, denn: »Die Kirche muss auch weiterhin Heimat bleiben.«