Predigten im Jahreskreis

Vom Ernst und der Größe des Christseins

Predigt zum 23. Sonntag im Jahreskreis C (Lk 14, 25-33)

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Dem heutigen Evangelium kann man die Überschrift geben: vom Ernst und der Größe des Christseins. - Jesus Christus erwartet, dass er bei seinen Gläubigen nicht erst an fünfter oder sechster Stelle oder fünfzehnter oder sechzehnter Stelle im Leben kommt, sondern an erster Stelle.
Also nicht erst nach Vater und Mutter und Frau und Kindern und Brüdern und Schwestern und Freunden und Kameraden und Besitz und Karriere und Gesundheit und Freizeit und Internet und Reisen… auch noch ein bisschen Religion…Sondern es muss umgekehrt gelten: Gott zuerst, Christus zuerst.

Man kann nachvollziehen, warum sich viele in Israel, die den Herrn bis dahin wegen seiner Wundertaten und seiner vollmächtigen Predigt bewundert hatten, nun abwandten. Weil sie sonst ihr Leben hätten ändern müssen. Und es ist wahrscheinlich, dass es auch den Jüngern mulmig wurde bei dieser extremen Forderung. Vielleicht fragte sie der Herr damals auch so wie bei anderer Gelegenheit: „Wollt auch ihr gehen?“
Petrus gab damals eine wunderbare Antwort: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Johannes 6,67-68). Das heißt mit anderen Worten: „Auch wenn wir manches nicht verstehen, und es uns schwer ankommt: Wen haben wir denn sonst außer Dir? Auf wen können wir uns felsenfest verlassen, von wem ewiges Leben erwarten?“
Diese wunderbare Antwort des Petrus sollte auch unsere Antwort auf Jesus und seinen Anspruch sein. Und diese Antwort geben Sie ja auch, liebe Gemeinde, ganz konkret an diesem Sonntagmorgen. Denn Sie sind hierher in die Kirche gekommen zum Herrn, um sein Wort zu hören, das Geheimnis des Glaubens zu feiern. Damit geben sie doch Jesus Christus den ersten Platz in dieser Stunde, er ist jetzt wichtiger als alles andere, was sonst noch wichtig und schön sein mag. - Gut so! Die Richtung stimmt. Aber der Weg ist noch weit; jeder von uns ist noch weit hinter den Erwartungen unseres Herrn zurück, zum Beispiel dieser:
„Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14,27).

Jünger Jesu ist nur, wer sein Kreuz trägt, also das was mein Leben durchkreuzt, meine Erwartungen, meine Wünsche, meinen Willen, meinen Stolz, meine Eitelkeit, mein Ego.
Das durchkreuzte Ego; das tut mir weh, das schmerzt; aber allein das bringt mich weiter, lässt mich reifen, menschlich und geistlich.

Der Herr erwartet schon einiges von uns; weil er auch Großes aus uns machen will, weil er uns über die Durchschnittlichkeit und Mittelmäßigkeit hinausbringen will.
Das macht er anschaulich mit diesen beiden Bildworten: „Wenn einer von euch einen Turm bauen will“ und: „Wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht“ (Lukas 14, 28-32).
Einen Turm bauen; um nicht weniger geht es im Christsein. Ein sehr ambitioniertes Vorhaben. Da braucht es zunächst ein gutes Fundament – das ist der felsenfeste Glaube – und dann ein kontinuierliches, jahrelanges Weiter – und Höherbauen, ohne mittendrin alles stehen und liegen zu lassen und eine traurige Bauruine in der Landschaft zurückzulassen.
Das christliche Lebenshaus: ein ehrgeiziges Vorhaben, und am Ende – so sagt es Paulus – wird es einer genauen Qualitätsprüfung unterzogen werden, ja einer Feuerprobe: „Ob aber jemand auf dem Grund – der Jesus Christus ist – mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, oder mit Holz, Heu und Stroh weiterbaut; das Werk eines jeden wird offenbar werden. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt“ (1 Kor 3, 11-15). - Mit Stroh und Heu bauen die, für die der Glaube nur Theorie ist, schöne Gedanken und viele Worte, aber kein Leben...
Ja und dann der König, der in den Krieg zieht. Hier wird uns gesagt, dass wir als Christen in einem Kampf stehen, im Kampf zwischen Glauben und Unglauben. Übrigens sieht das kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe so. Er sagt einmal: „Das eigentliche, einzige und tiefste Thema der Welt- und Menschengeschichte, dem alle anderen untergeordnet sind, bleibt der Konflikt des Glaubens und Unglaubens“ (Israel in der Wüste)[i]. Und dahinein sind wir gestellt. Wir sollen als „gute Soldaten“ Christi, wie Paulus sagt (2 Tim 2,3), keine Feiglinge und Duckmäuser sein, sondern mutig und entschieden für unseren Glauben einstehen. Und wir sollen unserem Herrn die Treue halten nach dem Motto: „Wenn alle untreu werden, so bleib ich dir doch treu!“ (Novalis)

Liebe Gemeinde, ich weiß nicht, ob sie jetzt am Ende dieser Auslegung sagen: „Nein danke, das ist mir alles zu viel, too much!“ - Ich schlage ihnen vor, etwas anderes zu sagen, nämlich genau das, was Petrus einst sagte: „Herr zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens!“

 

Amen.



[i] Goethe fährt fort: „Alle Epochen, in welchen der Glaube herrscht, unter welcher Gestalt er auch wolle, sind glänzend, herzerhebend und fruchtbar für Mitwelt und Nachwelt. Alle Epochen dagegen, in welchen der Unglaube, in welcher Form es sei, einen kümmerlichen Sieg behauptet, und wenn sie auch einen Augenblick mit einem Scheinglanze prahlen sollten, verschwinden vor der Nachwelt, weil sich niemand gern mit Erkenntnis des Unfruchtbaren abquälen mag“.


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