Predigten im Jahreskreis

Was der Mensch sät, das wird er ernten

Predigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis C (Lk 16,19-31)

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Das heutige Evangelium hat ein gute und eine ernste Nachricht für uns.
Die gute Nachricht: Der Tod – der früher oder später jeden von uns erwartet – der Tod ist nicht das Ende. Es geht auf jeden Fall weiter nach dem Tod. Da können wir sicher sein!
Die ernste Nachricht: Es geht nach oben - oder nach unten. Ja nachdem, wie die Weichen zu Lebzeiten gestellt wurden…

Liebe Gemeinde, es ist klar, dass der Herr uns mit diesem wirklich drastischen Evangelium vom reichen Prasser und vom armen Lazarus aufrütteln will, dass er uns nachdrücklich zur Umkehr, zum beherzten Neuanfang im Christsein rufen will.
Er sagt uns: Der Weg, den du heute gehst, der hat Konsequenzen für die Ewigkeit, der entscheidet über dein ewiges Schicksal. Du selbst bist deines Glückes Schmied – oder deines Unglücks.

Ein Wort des Apostels Paulus ist in diesem Zusammenhang erhellend. Es steht im Galaterbrief: „Was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer im Vertrauen auf das Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten. Wer im Vertrauen auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten“ (Gal 6,7).
„Was der Mensch sät, das wird er ernten.“ - Das ist logisch. Das wird niemand bezweifeln.
Wer Gras-Samen aussät der wird Grashalme wachsen sehen, aber weder Weizen noch Kartoffeln ernten. Das ist klar. Und so, sagt Paulus, ist das generell im Leben. Was ich säe, werde ich ernten. Wer nichts sät, wird nichts ernten. Wer Unkraut sät, wird Unkraut ernten. Wer seinen Garten liebevoll pflegt und bearbeitet, wird sich an schönen Blumen, Früchten, Kräutern freuen dürfen.
„Was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer im Vertrauen auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten.“ - Unter >Geist< ist hier die Liebe Gottes zu verstehen.
Wer die Liebe Gottes – mit der wir alle reichlich beschenkt sind – wer diese Liebe weitergibt und nicht für sich behält, der darf hoffen, auf ewig in der Liebe Gottes geborgen zu sein.
Dagegen derjenige, der „im Vertrauen auf das Fleisch sät“.
>Fleisch< ist der Gegensatz zur Liebe: die Selbstliebe, der Egoismus, der in sich selbst verkrümmte Mensch.
>Fleisch<, das sind die "Negos", die "netten Egoisten", zu denen auch wir manchmal gehören; sind nett, tun niemand was, aber leben nach dem Motto: "Unterm Strich zähl ich!"
>Fleisch<, das ist der Reiche im Evangelium, der „Tag für Tag herrlich und in Freuden lebt“, ohne die geringste Notiz zu nehmen von dem armen Lazarus, der direkt vor seiner Haustüre verschmachtet (LK 16,19).

Der Abgrund zwischen dem Reichen und Lazarus, den der Reiche im Jenseits beklagt, diesen Abgrund hat er selber ausgehoben, als er von Lazarus keine Notiz nahm, als er mit dem Rücken gegen seinen armen Bruder lebte und diesen im wahrsten Sinne des Wortes vor die Hunde gehen ließ. - Nun muss er in Ewigkeit mit sich allein fertig werden. Und das – jetzt merkt es der Reiche - ist eine fürchterliche Qual, ist die Hölle.

Liebe Gläubige, Jesus sagt es uns immer und immer wieder: Ihr werdet nicht glücklich und nicht selig werden mit dem Rücken gegen eure Nächsten, wer immer es ist, der da vor eurer Tür wartet und eure Hilfe braucht.
Und ihr werdet auch nicht glücklich und nicht selig werden mit dem Rücken gegen Gott, wenn ihr euch permanent verschließt gegen seinen Ruf, gegen die Propheten, gegen sein Wort, gegen seinen Willen, den er euch auf verschiedene Weise zeigt. „Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören“, meint Abraham im Gleichnis. Und wenn sie auf die nicht hören, so fährt er fort, „dann werden sie sich auch nicht bekehren, wenn einer von den Toten aufersteht“ (LK 16,29-31). Mit dieser pessimistischen Prognose endet unser Evangelium. Die Menschen werden sich nicht bekehren. - Sie werden nicht Schluss machen mit ihrer sinnlosen, egoistischen, unfruchtbaren Lebensweise; sie werden nicht aufwachen aus ihrer Gottvergessenheit. Selbst dann nicht, wenn einer von den Toten aufersteht.

So vermutet Abraham im Gleichnis. Es muss das aber nicht das letzte Wort sein. Denn es ist ja wirklich einer für uns am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden, damit alle, die an ihn glauben, nicht zugrunde gehen, sondern ewiges Leben haben (Joh 3,16).
Ich bin sicher: Je mehr ein Mensch sich selbst erkennt – und seine ganze Armseligkeit und auch Schlechtigkeit – desto mehr muss im klar werden: Ohne Jesus hab ich keine Chance. Denn selbst habe ich es mir wirklich nicht verdient, das ewige Leben. Wer das bejahen kann aus ehrlichem Herzen, der hat wenigstens schon mal eine Frucht des Geistes in sich: die Selbsterkenntnis.

Lassen wir uns heute neu rufen in die Nachfolge Jesu; realisieren wir, worauf es ankommt, was wirklich zählt. Es ist nicht egal, wie ich lebe, was ich tue oder lasse, ob ich da bin für andere oder nicht, ob ich das Gute weiterschenke oder bloß für mich genieße.
Streuen wir mit vollen Händen die gute Saat des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe aus. Dann sind wir auf dem richtigen Weg. Und dann dürfen wir hoffen, dass unser Leben Frucht bringt, die bleibt für das ewige Leben.

 

AMEN

 


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