Predigten im Jahreskreis

Freunde mit dem Mammon machen

Predigt zum 25. Sonntag im Jahreskreis C (Lk 16, 1-13)

Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Wieder einmal geht es heute im Evangelium um das  Thema Geld.
Ja, das ist ein zentrales Motiv in der Verkündigung Jesu, weil das Geld, das liebe Geld, eben auch eine große Rolle im Menschenleben spielt.
„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon, dem Götzen Geld“, sagt der Herr (Luk 16,13).
Der Götze Geld…
Mir fällt da eine Nachricht ein, die ich neulich las. Die Feststellung eines Gesellschaftswissenschaftlers, dass heute für viele Menschen der westlichen Welt Geld den Platz der Religion einnimmt.  Geld ist für sie, ohne dass sie sich das vielleicht bewusst machen, der höchste Wert im Leben. Sie leben fürs Geld, fürs Geldmachen, sie glauben ans Geld, sie verehren es, sie bekommen davon nie genug. Ich meine, da haben wir die Warnung des Evangeliums schon sehr ernst zu nehmen. Der Tanz um das goldene Kalb verdirbt den Menschen – und übrigens auch die ganze Gesellschaft. Die Habgier, die Geldvergötzung, der Materialismus tut dem Menschen nicht gut.

Nun gibt uns der Herr heute einen guten Rat, wie wir dem Götzen Mammon ein Schnippchen schlagen können, wie wir uns von den Netzen und Fallstricken des Geldes frei machen können. Der Rat ist so praktisch und einsichtig, dass er eingerahmt über jedem Bett hängen sollte:
„Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon!“ (Lk 16,9)

Gebt euer Geld für andere aus, macht euch dankbare Freunde mit eurem Geld. Teilt das Geld, das oft so ungerecht verteilt ist, mit anderen. Damit lebt ihr nach dem Gesetz des Reiches Gottes und habt euch von den Gesetzen dieser Welt, der Habgier, dem Egoismus, dem Profitdenken, dem  Alles - nur - für – mich - Raffen  befreit.
Liebe Gläubige, Jesus appelliert hier nicht an unsere Moral, an unser Gewissen. Er sagt nicht: Bitte, seid doch so gut,  gebt etwas ab, habt Mitleid mit den Armen. – Nein, er appelliert an unsere Klugheit.
Er sagt uns: Gebraucht euren Besitz zu eurem wahren Vorteil! Nehmt euch den gerissenen Verwalter zum Vorbild:  Dem ging es nur um die Frage: Wie kann ich mir nach meinem Hinauswurf eine neue Existenz sichern und aufbauen? Er wusste, die Zeit drängt. Da setzt er kurzerhand das Mittel der Bestechung ein. Er besticht Geschäftspartner seines Herrn, die ihm dadurch für später verpflichtet sind (Lk 16, 1-8).
So klug wie dieser Verwalter sollen auch wir sein. Wir sollen für unsere künftige Existenz in der anderen Welt sorgen. Wir sollen den ungerechten Mammon im Sinne Gottes einsetzen,  das heißt nicht nur egoistisch für uns selbst, sondern auch für andere. Dann sammeln wir uns Schätze im Himmel (Mt  6,20). Dann dürfen wir hoffen, einmal Fürsprecher bei Gott zu haben, solche, die für uns eintreten in der Stunde, in der uns unser ganzes Geld überhaupt nichts mehr nützt.
Gute Beziehungen nützen. Und in der Hierarchie des Himmels sitzen die Armen ganz oben und haben viel zu sagen (Mt 5,3).
Nehmen wir also Jesus beim Wort und folgen seinem Rat: „Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit sie euch in die ewigen Wohnungen aufnehmen, wenn es mit euch zu Ende geht“ (Lk 16,9).

Einem Bänker ging eines Tages ein Licht auf, und er kam zu einer Erkenntnis, die der Lehre des Evangeliums entspricht:
„Es ist betriebswirtschaftlicher Unsinn, in diesem kurzen Erdenleben Geld zu horten – und in der Ewigkeit im Dunkeln zu sitzen“.

 


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