Im
heutigen Evangelium schreibt der Evangelist Matthäus über sich selbst,
über seine eigene Berufung in die
Nachfolge Jesu. Ein kurzer, knapper Bericht, wie es sein Stil ist, nicht blumig
und weitschweifig , sondern einfach und nüchtern; aber damit nur umso
eindrucksvoller. So tritt uns Jesus hier entgegen, der Erlöser, der den
Menschen herausruft aus einem sinnlosen Leben, der ihn mitnimmt in das Neue und
Große des Reiches Gottes.
„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken“ (Mt 9,12) und alle sind krank, die ganze Menschheit krankt
an ihrer Gottvergessenheit und braucht den einen Arzt, der heilt, der gesund
macht.
Darum bitten wir ja in jeder Heiligen Messe, in der Vorbereitung auf die Kommunion:
„Herr ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur
ein Wort, so wird meine Seele gesund.“
So macht Jesus den Zöllner mit einem Wort gesund, mit dem einen machtvollen,
erlösenden Wort „Folge mir nach!“ (Mt 9,9). Und auf
der Stelle – ohne jedes Zögern – steht Matthäus auf und folgt dem Herrn in ein
neues Leben.
Die
Zöllner waren die Verachteten im jüdischen Volk, weil sie im Auftrag der Römer
Steuern und Zölle einnahmen und damit Kollaborateure der verhassten
Besatzungsmacht waren, Verräter des eigenen Volkes. Und ausgerechnet so einen will
Jesus in seinem engsten Kreis der Zwölf Apostel haben.
Matthäus schildert uns keine Vorgeschichte zu dieser Berufung.
In Kapharnaum, wo Matthäus Zöllner war, hielt sich
Jesus oft auf. Er predigte dort in der Synagoge, er wohnte im Haus des Petrus.
Vielleicht hatte Matthäus ihn schon manches Mal predigen gehört. Und auch Jesus
war dieser Zöllner schon aufgefallen, der da am Rand stand, abgesondert von den
anderen, ihm aufmerksam zuhörend. Und so braucht es nur noch diesen einen
persönlichen Ruf: „Komm du jetzt mit mir!“, dass für Matthäus die Sache klar
ist.
Er lässt alles stehen und liegen, verlässt sein einträgliches Gewerbe – und
geht mit Jesus ins Unbekannte.
Ein Kirchenvater, der hl. Beda, ein Benediktinermönch, schreibt dazu in seinem
Bibelkommentar: „Matthäus besann sich nicht lange, er zögerte nicht, er sprach
nicht: jetzt ist noch dies oder das zu tun. Er überlegte nicht: was werden die
Leute sagen. Er stand auf und verließ alles, ohne zu bedenken, was daraus
werden würde.“
Übrigens, auch Jesus überlegt nicht: was werden die Leute sagen, wenn ich nun
einen von diesen verhassten Zöllnern zu meinem Apostel mache. Und so empören
sich vor allem die Pharisäer, die frommen Schriftgelehrten: „Wie kann euer
Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?“ (Mt
9,11)
Wir aber müssen sagen: Gott sei Dank tut
er das! Gott sei Dank lässt Jesus nicht nur Heilige und Gerechte zu sich, denn
sonst gäbe es für uns auch keine Chance, sonst hätten wir keinen Platz an
seinem Tisch!
Und
so ist es wirklich Evangelium, Frohbotschaft, Hoffnungsbotschaft, was Matthäus
uns in dieser seiner eigenen Berufungsgeschichte berichtet.
Die Botschaft von der Barmherzigkeit Jesu. „Ich bin gekommen, um die Sünder zu
rufen, nicht die Gerechten“ (Mt 9,13).
Die Frage ist: Lassen wir uns auch so von Jesus rufen? Schauen wir auf ihn,
hören wir auf ihn, stehen wir immer wieder neu auf in unserem Leben, um ihm
nachzufolgen?
Matthäus lädt uns dazu ein.
Er hat es nicht bereut, dass er damals in Kapharnaum
alles auf Jesus gesetzt hat.
Er hat zwar am Ende seinen Glauben mit dem Leben bezahlt, es soll im Jahr 69
auf einer Missionsreise in Äthiopien geschehen sein. Und zugleich ist er
unsterblich geworden. Heute – 2000 Jahre später – wird sein Evangelium auf der
ganzen Welt verkündet und gelesen. Gott enttäuscht seine Gläubigen nie. Er ist
immer großzügig, großherziger im Beschenken als wir es uns träumen lassen. Auch
diese Erfahrung darf jeder machen, der auf Jesus setzt und sich auf seinen Plan
einlässt. Seine Barmherzigkeit – und das heißt: sein unverdientes Schenken -
ist ohne Maß.
Vielleicht lernen wir daraus, selber barmherziger, hochherziger zu werden.
Nicht so engherzig wie die Pharisäer. Das Beispiel und die Fürsprache des heiligen
Matthäus helfen uns dazu!
Amen.