Die Märtyrer: Antwort auf die Todesfrage

Predigt zum Fest Allerheiligen (Mt 5, 1-12)

von Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


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Allerheiligen hieß ursprünglich „Fest aller heiligen Märtyrer“. Es sollte der Gedenktag sein für die vielen Christen, die in den Christenverfolgungen der römischen Kaiser wegen ihres Glaubens hingerichtet worden waren. Das Christentum war ja in den ersten Jahrhunderten eine verbotene und mehrfach blutig verfolgte Religion. Erst Kaiser Konstantin billigte den Christen im sogenannten Mailänder Edikt des Jahres 313 die Religionsfreiheit zu.

Angefangen hatten die Verfolgungen mit dem größenwahnsinnigen und blutrünstigen Kaiser Nero. Er wollte den Brand Roms im Jahre 63 n.Ch., den er selbst hatte legen lassen, jetzt der jungen und aufstrebenden christlichen Religion in die Schuhe schieben. Außerdem wollte er sich und die Volksmassen durch grausame Spiele belustigen. So ließ er sich einen eigenen Zirkus, eine Arena anlegen – genau dort, wo heute der Petersplatz ist.
Dort machte er den Tod der Christen zum Schauspiel. Die einen ließ er als lebendige Fackeln verbrennen, andere in Tierhäute einnähen und wilden Hunden zum Fraß vorwerfen. Dort starb auch der hl. Petrus – bekanntlich durch Kreuzigung mit dem Kopf nach unten – und wurde ganz in der Nähe begraben. Über seinem Grab wurde später die Peterskirche errichtet.

Man muss sich vor Augen halten, wie die Geschichte weiterging.
Der Tyrann Nero endete durch Selbstmord und auch das vermeintlich unzerstörbare römische Reich ging unter. Der Glaube der Märtyrer, der Glaube des Petrus überlebte die Tyrannen und überlebte das römische Reich. Und auf den Ruinen des antiken Roms baute die Kirche eine neue Welt auf.
Und genau das ist die Botschaft des Allerheiligenfestes: Schaut auf die großen Glaubenszeugen von 2000 Jahren und erkennt: der Glaube ist stark! - Der Glaube an Jesus Christus ist stärker als alle Imperien und Tyrannen und Gewalten dieser Welt, stärker auch als der Tod.

Papst Johannes Paul II veröffentlichte 1998 die Enzyklika „Fides et Ratio“.  Darin legt er dar, dass Glaube und Denken, Glaube und Rationalität nicht gegeneinander stehen, sondern dass der christliche Glaube die vernünftigste Antwort auf das Fragen und das Suchen des denkenden Menschen ist (eine These, die jetzt im Zentrum des Pontifikats von Papst Benedikt steht). Jeder Mensch, so heißt es in der Enzyklika, ist von Natur aus ein „Philosoph“, einer, der unausweichlich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens und der Welt konfrontiert ist:
„Die Wahrheit stellt sich beim Menschen anfangs in Frageform vor: Hat das Leben einen Sinn? Wohin führt es? Auf den ersten Blick könnte das Dasein des Menschen als Person gänzlich sinnlos erscheinen. Die tägliche Erfahrung von eigenem und fremdem Leid genügt, dass wir unausweichlich eine so dramatische Frage wie jene nach dem Sinn stellen. Hinzu kommt, dass die erste absolut sichere Wahrheit unseres Lebens … die Unvermeidbarkeit des Todes ist. Jeder will die Wahrheit über sein Ende wissen. Er will wissen, ob der Tod das endgültige Ende seines Daseins ist oder ob es noch etwas gibt, das über den Tod hinausreicht, ob er auf ein Weiterleben hoffen darf oder nicht.“ Gerade aus dieser Frage – der Frage nach dem Tod und der Unsterblichkeit – seien die Philosophien und Weltanschauungen der Menschheitsgeschichte entstanden. Und dann kommt eine entscheidende Aussage:
Keine Philosophie und keine Ideologie kann dem Menschen eine befriedigende Antwort auf die Todesfrage geben; wohl aber das Beispiel der Märtyrer.
Der Märtyrer, heißt es, „ist der zuverlässigste Zeuge der Wahrheit über das Dasein. Er weiß, dass er mit Jesus  Christus die Wahrheit über das Leben gefunden hat, nichts und niemand wird ihm jemals diese Gewissheit zu entreißen vermögen. Weder das Leiden noch der gewaltsame Tod werden ihn dazu bringen, die Zustimmung zu Christus und seiner Wahrheit zu widerrufen. Deshalb fasziniert uns bis heute das Zeugnis der Märtyrer“.
So weit der Text.   Die Märtyrer und die Heiligen – sie waren nicht bloß Philosophen, die gelehrt über die Wahrheit gesprochen haben. Sie haben für Christus alles gegeben, ihr Leben gegeben. Und damit sind sie für uns eine wirklich überzeugende Antwort auf die Todesfrage, eine Antwort, die da lautet:
Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer an ihn glaubt, wird in Ewigkeit leben. Wer zu Christus gehört, in seiner Nachfolge steht, dem können weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur etwas anhaben (Röm 8,38). Und wer für diesen Glauben Nachteile und Opfer auf sich nimmt, ja vielleicht sogar Verfolgung erleidet, dem gilt die Seligpreisung des Herrn:
„Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein“ (Mt 5,11+12).
Das ist die Botschaft, die von den Märtyrern und allen Heiligen ausgeht. Wir brauchen keine Angst vor dem Tod zu haben oder irgendeiner Gefahr, wir dürfen vielmehr zuversichtlich nach dem Ewigen Leben ausschauen. Es kann uns letztlich nichts passieren. Wir sollen darum beherzt und treu auf dem Weg bleiben, der zu diesem Leben führt - dem Weg des Glaubens und der Liebe - und dürfen uns von nichts und niemandem davon abbringen lassen: Das große Ziel lohnt alle Mühe!

 

Amen

 


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